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Kniearthrose · Recovery Hub

ACP bei Kniearthrose: Was Eigenbluttherapie kann und wo die Grenzen liegen

Von Dr. Patrik Shnawa, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Stand: September 2026

Als die neue Zentrifuge in meiner Ordination angekommen ist, habe ich mich tatsächlich ziemlich gefreut. Ich hatte mich lange mit der Eigenbluttherapie beschäftigt. Gleichzeitig bleibt für mich die wichtigere Frage: Wem kann ich diese Behandlung sinnvoll empfehlen und was darf man sich dabei als Patientin oder Patient erhoffen?

ACP bei Kniearthrose – in einer Minute erklärt · Dr. Patrik Shnawa

Was sind ACP und PRP?

PRP steht für plättchenreiches Plasma, ACP für autologes konditioniertes Plasma. „Autolog“ bedeutet: aus dem eigenen Körper. ACP gehört zur Familie der PRP-Verfahren. Dabei wird Blut abgenommen und aufbereitet, um einen Plasmaanteil mit angereicherten Blutplättchen zu gewinnen. Dieser wird anschließend in das betroffene Gelenk injiziert. Die Blutplättchen enthalten Wachstumsfaktoren und weitere Botenstoffe, die an Heilungsprozessen und der Regulation von Entzündungen beteiligt sind. Bei Kniearthrose soll die Behandlung Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern.[1]

Das ist allerdings nicht gleichbedeutend mit Knorpelaufbau. Dass PRP verlorenen Gelenkknorpel beim Menschen zuverlässig wiederherstellt oder die Arthrose dauerhaft aufhält, ist bisher nicht ausreichend nachgewiesen.[1]

Was sagt die Forschung?

Die Ergebnisse sind zwar ermutigend, aber nicht einheitlich. Eine 2025 veröffentlichte Metaanalyse mit 18 randomisierten Studien und knapp 2.000 Teilnehmenden fand gegenüber Placebo klinisch relevante Verbesserungen der Gelenkfunktion und eine Schmerzlinderung insbesondere nach drei und sechs Monaten.[2]

Dem stehen hochwertige Studien mit weniger günstigen Ergebnissen gegenüber: In der RESTORE-Studie mit 288 Teilnehmenden zeigte das untersuchte PRP-Verfahren nach zwölf Monaten weder beim Schmerz noch bei der Veränderung des gemessenen Knorpelvolumens einen signifikanten Vorteil gegenüber Kochsalzinjektionen.[3] Unterschiede in Präparaten, Behandlungsprotokollen und Studienqualität erschweren dabei die Gesamtbewertung.[1]

Entsprechend gibt es keinen uneingeschränkten Konsens: Der europäische ESSKA-ICRS-Konsens von 2024 sieht PRP bei ausgewählten Menschen mit nicht endgradiger Kniearthrose nach unzureichendem Erfolg anderer konservativer Maßnahmen als angemessene Option.[4] Die amerikanische VA/DoD-Leitlinie von 2026 bewertet die Evidenz dagegen weiterhin als unzureichend für eine Empfehlung dafür oder dagegen.[5]

Für wen kommt die Behandlung also infrage?

Am ehesten lässt sich PRP bei leichter bis mittelgradiger Kniearthrose mit anhaltenden Beschwerden diskutieren. Hier kann es eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn Bewegungstherapie und andere passende Maßnahmen noch nicht ausreichend helfen. Bei endgradiger Arthrose wird PRP im genannten ESSKA-ICRS-Konsens dagegen nicht als angemessene Behandlungsoption eingestuft.[4]

Bei der Entscheidung berücksichtige ich die empfundenen Beschwerden, die Untersuchung und Bildgebung, den bisherigen Verlauf sowie die persönlichen Ziele der Patientinnen und Patienten.

In meiner Ordination denke ich dabei besonders an Menschen, die sportlich aktiv bleiben möchten, für die ein Gelenkersatz noch nicht angezeigt ist und die bereit sind, an Kraft und Belastbarkeit zu arbeiten. Der sportliche Anspruch ist dabei ein persönliches Behandlungsziel, keine Garantie für ein besseres Ansprechen.

Ist ACP eine Alternative zu Cortison?

Cortison kann bei einem entzündlich gereizten Knie kurzfristig die Beschwerden lindern. Bei häufig wiederholten Injektionen bestehen jedoch Bedenken hinsichtlich möglicher ungünstiger Auswirkungen auf den Knorpel. Ein entsprechendes Signal zeigte beispielsweise eine Studie mit Cortisoninjektionen alle drei Monate über zwei Jahre.[6] Daraus folgt nicht, dass jede einzelne Cortisonspritze schädlich ist.

PRP kommt ohne zugesetztes Cortison aus und kann je nach Befund eine mögliche Alternative sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass ACP automatisch besser wirkt oder den Knorpel nachweislich schützt. Die Entscheidung hängt von der jeweiligen Situation ab und sollte im Behandlungsgespräch gemeinsam getroffen werden.

Warum ich ACP Max verwende

In meiner Ordination setze ich das ACP-Max-System von Arthrex ein. Nach Herstellerangaben verarbeitet es eine größere Blutmenge als das klassische ACP-Doppelspritzensystem und nutzt im Standardverfahren zwei Zentrifugationsschritte, um die Blutplättchen stärker anzureichern.[7] Blutentnahme, Aufbereitung und anschließende Anwendung erfolgen im Rahmen der Behandlung vor Ort.

Das finde ich als Weiterentwicklung spannend. Eine höhere Konzentration ist allerdings für sich genommen noch kein Beweis für eine bessere klinische Wirkung. Aus allgemeinen PRP-Studien lässt sich nicht automatisch die Überlegenheit eines bestimmten Systems ableiten.

Für mich ergänzt ACP Max meine konservativen Möglichkeiten, nicht als Ersatz für ein Behandlungskonzept, sondern als zusätzliche Option.

Welche Risiken und Grenzen gehören zum Gespräch?

Nach PRP-Injektionen können vorübergehend Schmerzen, Schwellung oder Steifigkeit auftreten.[3] „Aus dem eigenen Blut“ bedeutet also nicht „ohne Nebenwirkungen“. Wie bei jeder Gelenkinjektion besteht außerdem ein Infektionsrisiko.

Vor der Behandlung besprechen wir deshalb relevante Erkrankungen und Medikamente, den geplanten Ablauf, die Kosten und ebenso die Möglichkeit, dass die erhoffte Besserung ausbleibt.

Meine Einschätzung: Die Spritze ist nicht der ganze Plan

Ich möchte regenerative Verfahren weder als Wundermittel verkaufen noch vorschnell ausschließen. ACP ist für mich eine mögliche Ergänzung nach sorgfältiger Abwägung. Die Grundlage bleiben Bewegung, gezielter Kraftaufbau und eine passende physiotherapeutische Begleitung. Ein strukturiertes Physiotherapieprogramm wird auch in aktuellen Leitlinien empfohlen.[5]

Mein Ziel ist nicht, möglichst viele Spritzen zu verabreichen. Mein Ziel ist, gemeinsam einen Weg zu finden, auf dem Alltag und Sport wieder besser funktionieren. Ob ACP dazu einen sinnvollen Beitrag leisten könnte, klären wir nach einer persönlichen Untersuchung mit realistischen Erwartungen und ohne Heilungsversprechen.

Dr. Patrik Shnawa · Facharzt für Orthopädie und Traumatologie · Stand: September 2026

Weiterführende Informationen

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Quellen und weiterführende Literatur

  1. [1] Laver et al. (2024): The use of injectable orthobiologics for knee osteoarthritis: A European ESSKA-ORBIT consensus. Part 1 – Blood-derived products (platelet-rich plasma). DOI 10.1002/ksa.12077.ESSKA-ORBIT-Konsens (2024) lesen
  2. [2] Bensa et al. (2025): PRP Injections for the Treatment of Knee Osteoarthritis: The Improvement Is Clinically Significant and Influenced by Platelet Concentration: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. DOI 10.1177/03635465241246524.Metaanalyse auf PubMed
  3. [3] Bennell et al. (2021): Effect of Intra-articular Platelet-Rich Plasma vs Placebo Injection on Pain and Medial Tibial Cartilage Volume in Patients With Knee Osteoarthritis: The RESTORE Randomized Clinical Trial. JAMA. DOI 10.1001/jama.2021.19415.RESTORE-Studie in JAMA
  4. [4] Kon et al. (2024): Platelet-rich plasma injections for the management of knee osteoarthritis: The ESSKA-ICRS consensus. Recommendations using the RAND/UCLA appropriateness method for different clinical scenarios. DOI 10.1002/ksa.12320.ESSKA-ICRS-Konsens (2024) lesen
  5. [5] VA/DoD (2026): Clinical Practice Guideline for the Non-Surgical Management of Hip & Knee Osteoarthritis – Provider Summary, Juni 2026 (Empfehlung 20, S. 7: PRP; Empfehlung 5, S. 6: strukturiertes Physiotherapieprogramm).VA/DoD-Leitlinie 2026 (PDF)
  6. [6] McAlindon et al. (2017): Effect of Intra-articular Triamcinolone vs Saline on Knee Cartilage Volume and Pain in Patients With Knee Osteoarthritis: A Randomized Clinical Trial. JAMA. DOI 10.1001/jama.2017.5283.Cortison-Studie in JAMA
  7. [7] Arthrex: ACP Max PRP System – Herstellerinformation zu Blutmenge und zweistufiger Zentrifugation. Technische Herstellerangaben, kein unabhängiger Wirksamkeitsnachweis.Herstellerinformation ACP MaxHerstellerbeschreibung mit Vergleich zur Vorgängergeneration

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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